Espengleich durchs (T)Raumland zum Hof, auf dem die Seen leben - ein Reisebericht

21.05.2015 22:10

Der kleine Weinkoch hatte gerade sein Weingeschäft "Der kleine Weinkoch" in der Davidisstr. 39, in 44143 Dortmund eröffnet, da zog es ihn auch schon wieder hinaus in die weite Welt, um seinen Kunden neue, spannende Entdeckungen bieten zu können. 

So zog es ihn diesmal nach Rheinhessen, wo er drei Weingüter besuchen wollte, die er auf der Prowein kennengelernt hatte und die unterschiedlicher kaum sein konnten. 

- "Das hab ich doch schon immer gesagt" -

Als erstes führte sein Weg nach Flonheim, wo er den Espenhof besuchte. Hier ist ein junger Mann am Werk - Nico Espenschied - der mit Ende Zwanzig so eigenständige Weine macht, dass der kleine Weinkoch mal wieder wusste, warum er das Weinland Deutschland so liebte. 

Da gab es einen Lagenriesling La Roche, die einzige Lage in Deutschland mit einem französischen Namen, aus 2012, der so gradlinig und subtil war, dass er locker mit vielen großen Gewächsen mithalten konnte, aber nur halb so teuer war wie manch großes Gewächs. 

Der Gutsspätburgunder war in seiner Klarheit für seinen Preis unter 10 Euro so gut, dass der kleine Weinkoch sich insgeheim wünschte, dass es noch ein bisschen dauern würde, bis die ganze Welt Nicos Weine trinken wollte und die Preise unvermeidlich steigen würden. 

Und am Ende kam da noch ein Lagenspätburgunder aus dem Kisselberg, der so groß und eigenständig war, dass dem kleinen Weinkoch sofort bewusst wurde, dass der Tag, an dem die ganze Welt die Weine vom Espenhof trinken wollte, nicht mehr weit war. Jetzt konnte der kleine Weinkoch sich nur schon einmal Sätze, wie "das hab ich doch schon immer gesagt" zurechtlegen und abwarten. 

- Neue Aufgabe für den kleinen Weinkoch -

Die zweite Station führte den kleinen Weinkoch nach Flörsheim-Dalsheim zum Sekthaus Raumland, das jetzt mal gerade kein Newcomer der Weinszene war, aber dessen Ruf wie Donnerhall, wenn es um deutschen Schaumwein ging, ein Drumherumfahren irgendwie unmöglich machte. 

Aber siehe da: eine junge Frau namens Marie-Luise machte die Tür auf , die sich als die Tochter des Hauses entpuppte und sehr kompetent und kurzweilig durch den Nachmittag führte - also konnte man doch getrost von ganz jungem Weingut bzw. Sektgut sprechen...

Das absolute Highlight dieses Nachmittags war das 8. Triumvirat, eine Cuvée aus dem Jahr 2008 aus Pinot Noir, Petit Meunier (Schwarzriesling) und Chardonnay, die 48 Monate auf der Feinhefe verbracht hat und erst im Januar 2015 degorgiert wurde. 

Das sollte aus Deutschland kommen und kein Champagner sein? 

Da hatte der kleine Weinkoch schon so viele handelsübliche Champagner verkostet, die dieser Grande Cuvée nicht ansatzweise das Wasser reichen konnten und meistens auch noch teurer waren, als die geradezu läppischen 36 Euro, die das 8. Triumvirat kosten sollte. Zugegeben - immer noch viel Geld - aber wer lässt sein Kapital schon 48 Monate irgendwo im Keller auf der Feinhefe liegen und bringt das Produkt erst sieben Jahre nachdem es gelesen wurde auf den Markt - das muss ein im positiven Sinne Weinverrückter sein, dieser Volker Raumland! Und da dachte der kleine Weinkoch bei sich, dass die Leute doch lieber 6 mal den Wein für 6 Euro im Supermarkt stehen lassen sollten, um einmal in den Genuss eines solchen Kunstwerkes zu gelangen.

Das war mal wieder eine neue Aufgabe für den kleinen Weinkoch: der Welt da draußen zu verklickern, dass man nicht 40 oder 50 Euro für mittelmäßigen Champagner oder gar mehrere hundert Euro für die großen Jahrgangschampagner ausgeben musste, sondern dass in unserem wundervollen Weinland Deutschland jemand wohnte, der einen Jahrgangssekt erzeugen konnte, der in Blindverkostun-gen jeden Champagner dieser Welt schlagen konnte - da war sich der kleine Weinkoch ganz sicher.

- Gegen den Trend -

Die dritte Station führte den kleinen Weinkoch dann zum Seehof nach Westhofen, wo Florian Fauth, gerade Mitte dreißig, schon seit 2003 seinen eigenen Wein macht, der alles ist nur nicht Mainstream, vielmehr in einigen Bereichen gegen den Trend.

- das Schuhwerk des kleinen Weinkoch auch gegen jeden Trend -So gab es bei Florian eine der besten trockenen Scheureben und einen der besten - wenn nicht soger den besten - Auxerrois, den man in Deutschland für Geld kaufen kann. Beides wahrlich keine Trendrebsorten, aber wenn sie so gradlinig, klar und zugleich tiefgründig daherkommen wie hier, dann fragt man sich warum eigentlich.

Zudem kommt vom Seehof einer der schönsten Sommer-Rosé überhaupt, der 2014 Pinot Noir Rosé, der neben seiner frischen und eingängigen Art noch eine mineralische Tiefe mitbringt, wie sie für Rosé-Weine in der Preiskategorie unter 10 Euro extrem selten ist.

Und als wäre das nicht schon genug, macht Florian Fauth auch noch Rieslinge, die es mit den ganz großen deutschen Vertretern ihrer Zunft aufnehmen können. So z.B. den Westhofener Kirchspiel Riesling trocken 2014, der die ganze kompromiss-lose Qualitätsorientierung eines der größten deutschen Winzertalente offenbart. Talent? Eigentlich nun wirklich nicht mehr. Wenn man Florian Fauth reden hört und seine Weine verkosten darf, dann hat man das Gefühl - hier ist Einer bereits angekommen in dem, was er tut, ohne dabei satt geworden zu sein, immer auf dem Weg zum nächsten Qualitätsschritt.

Und wieder einmal war der kleine Weinkoch überzeugt davon, dass gerade solche Weine es verdient hatten, dass die ganze Welt sie kennenlernen müsse und er war mal wieder sehr,  sehr froh, dass er aus einem so großartigen Weinland wie Deutschland kam...

 

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Kontakt

Der kleine Weinkoch
Davidisstr. 39, 44143 Dortmund

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